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Das steckt hinter dem Trend

Bereits seit vielen Jahren sorgt das Prinzip des Lean Management in verschiedenen Industrie- und Dienstleistungsbranchen für erhebliche Verbesserungen von Produktivität, Qualität und Kundenzufriedenheit. Auch im Zeitalter der Digitalisierung ergeben sich aus dem Lean Management immer wieder neue Ansätze. Wir erklären, was hinter dem Trend des Lean Digital steckt, und welche Optimierungen der Trend in Ihrem Unternehmen hervorrufen kann.

Was bedeutet eigentlich „lean“?

Der Begriff Lean wird einfach übersetzt mit dem Wort schlank. Jedoch geht es beim Lean Management nicht nur darum, mit möglichst wenig Aufwand einen möglichst großen Output zu erzielen – das Lean-Prinzip besitzt viele Ziele. Unter anderem gehören dazu die Verbesserung

  • der Sicherheit für alle Beteiligten
  • der Qualität der Produkte /Outputs
  • der Kosten
  • der Moral im Unternehmen
  • und der Lieferfähigkeit.

Eine Verschlankung eines Unternehmens nach dem Lean Management sorgt also dafür, dass ein langfristiger Erfolg für das Unternehmen selbst sowie aller Stakeholder unter der Wahrung einer positiven, konstruktiven und wertschöpfenden Beziehung erreicht wird. Dabei ist der Begriff Lean keine Abkürzung, sondern eine Ansammlung von Tätigkeiten, von denen keine ein Muss oder ein No-Go ist – letztendlich hängt die Ausführung des Lean Prinzips immer von den vorhandenen Ressourcen, Strukturen und Beteiligten ab.

So geht Lean in der Praxis

Entwickelt wurde das Lean Prinzip von Firmenangehörigen von Toyota, welche sich einen höheren Output, weniger Ausschuss und eine verbesserte Qualität bei weniger Ressourcenverbrauch wünschten. Deshalb definierten sie die Umsetzung von Lean anhand dreier, höherer Prinzipien:

  • Verschwendung (non-value added): Teilprozesse, welche keinen Wert erzeugen und nicht zum Endprodukt des Gesamtprozesses beitragen, müssen möglichst eingedämmt oder sogar abgeschafft werden und dürfen vor allem weder Zeit noch Ressourcen verschwenden.
  • Qualität: Die erwünschte Qualität soll möglichst beim ersten Versuch erreicht werden – jegliche Form von notwendiger Nacharbeit fällt nämlich wieder unter das Prinzip der Verschwendung.
  • Material-und Informationsfluss: Materialien, Ressourcen und Informationen sollen nach dem Just-in-time Gedanken zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein.

Sind all diese Prinzipien erfüllt, bezahlt ein Kunde oder eine Kundin am Ende nur für wertschöpfende Tätigkeiten, sodass die Kundenzufriedenheit erhöht wird. Gleichzeitig kann das Unternehmen Kosten und Ressourcen einsparen. Demnach beginnt eine Umsetzung des Lean Prinzips stets beim Kunden selbst, dessen Werte klar definiert sein müssen. Anschließend kann der Wertstrom vom Kunden bis ganz an den Anfang der Wertschöpfungskette zurückverfolgt werden, wobei Verschwendungen identifiziert werden können. Mithilfe von Standardisierungen können auf dem Weg Best Practices identifiziert, weiterentwickelt und an noch mehr Stellen implementiert werden – das Rad soll also nicht neu erfunden, sondern möglichst effektiv eingesetzt werden.

Lean vs. Lean Digital

In der heutigen Zeit wirkt Lean jedoch auf den ein oder anderen möglicherweise antiquiert. Ein manuelles, händisches Verfolgen von Prozessen entlang der Wertschöpfungskette, ständige Personalaufwendungen zur konsequenten Durchsetzung des Lean Prinzips und ständige, neue Standardisierungen in einem doch so volatilen und mittlerweile stark digitalisierten Unternehmensumfeld? Die zunehmende Dematerialisierung und Digitalisierung in alle Richtungen erlaubt keine nicht-digitalisierten Optimierungsprozesse wie das klassische Lean Management mehr.

Der Zusammenhang zwischen dem klassischen Lean Prinzip und dem Trend zum Lean Digital ist jedoch eigentlich klar. Das Lean Prinzip bleibt – muss jedoch neu, digital gedacht werden. Im Lean-Spektrum liegt der Fokus auf Kundenzufriedenheit, Qualität und der Reduzierung von Verschwendung – also auf Punkten, die mithilfe digitaler Lösungen getrackt und optimiert werden können und damit neue Potenziale der Lean-Theorie eröffnen. Lean Digital setzt sich deshalb zum Ziel, digitale Tools und Softwares vollends auszuschöpfen und unter den guten Stern des Lean Managements zu stellen, sodass Defekte, Verschwendung und Unregelmäßigkeiten in Prozessen möglichst unwahrscheinlich werden. Das Prinzip des Lean Digital kann dabei in verschiedenen Prozessen zum Einsatz kommen. Dazu gehören

  • Logistikprozesse
  • Produktionsabläufe
  • Softwareentwicklung
  • Einkauf- und Beschaffung
  • Vertrieb
  • und Planungs- und Organisationsprozesse.

Doch wie ist Lean Digital umzusetzen, und welche genauen Tätigkeiten, Fragen und Antworten stecken hinter diesem Begriff?

Umsetzung von Lean Digital – so geht’s!

Genauso wie das reguläre Lean Management kann auch Lean Digital in sogenannten Sprints umgesetzt werden. Hiermit werden Prozesse in kleinen „Häppchen“ durchgearbeitet, überprüft und optimiert, sodass die Prozessergebnisse am Ende anhand von Kennzahlen messbar und transparent werden. Jeder Sprint fokussiert sich dabei auf eine bestimmte Zielgruppe: von der Strategie über Produkte und Kunden bis hin zur gesamtheitlichen Sicht auf das Unternehmen. Der Fokus liegt dabei jedoch stets auf der Technologie: vorhandene Tools und Softwares werden optimiert, standardisiert und dadurch besser genutzt, während bislang manuelle Prozesse schrittweise digitalisiert werden.

  • Sprint 1: Strategie. Der erste Sprint konzentriert sich auf Ihre Strategie. Innerhalb des Sprints sollten sich verschiedene Fragen gestellt werden: wie agil ist unser Geschäftsmodell? Wie digitalisiert arbeiten wir, und wie wollen wir in Zukunft arbeiten? Wie entwickeln wir unsere Strategie im Sinne des Lean Digital Konzepts weiter? Lösungen wie eine Neuaufsetzung der Strategie, die Kreation neuer Mission und Vision Statements oder die Entwicklung einer eigenen Strategie für die digitale, schlanke Transformation können hier notwendig sein.
  • Sprint 2: Produkte. Im Rahmen des zweiten Sprints sollten Sie die Prozesse verfolgen, welche ein Produkt nachhaltig prägen. Hier steht die Wertschöpfung im Fokus, nicht wertschöpfende Prozesse, besonders auf digitaler Ebene, müssen identifiziert und eingedämmt werden. Als Grundlage für den zweiten Sprint dient der erste, der vorgibt, in welche Richtung Ihr Unternehmen sich entwickeln möchte – und damit eine Roadmap für die weitere Analyse der eigenen Produkte vorgibt.
  • Sprint 3: Kunden. Wie zufrieden sind Ihre Kundinnen und Kunden mit den Preisen Ihrer Produkte, wie gut funktioniert Ihr Service und welche Auswirkungen kreiert Ihr Marketing? Welche zukünftigen Chancen können Sie nutzen, indem Sie Ihr Customer Relationship Management digitalisieren? All diese Fragen spielen im dritten Sprint eine Rolle. Denken Sie jedoch immer daran: im Fokus stehen Qualität, Verschwendung und Kundenzufriedenheit – nicht nur ein positives Markenimage.
  • Sprint 4: Unternehmenssicht. Der vierte Sprint kombiniert alle vorangegangenen Erkenntnisse. Im Rahmen dieses Sprints sollten Sie eine Roadmap für die nächsten Wochen und Monate definieren. Welche To-Dos ergeben sich also aus der Implementierung des Lean Digital Prinzips? Mit welchen Personalkapazitäten können diese umgesetzt werden? Welche Kosten könnten oder werden entstehen? Damit bewegen Sie sich im letzten Sprint von der Planung in die Umsetzung Ihrer Erkenntnisse.

Lean Digital – mit Köpfchen in die Zukunft

Mit der zunehmenden Digitalisierung wird Lean Management zum Lean Digital Management. Der Trend kommt also nicht von Irgendwo – Digitale und damit effiziente Prozesse und Methoden stehen im Fokus einer zukunftsgerichteten Firma. Der Fokus des Lean Managements verändert sich demnach – weg von den manuellen Tätigkeiten und hin zu einer Gesamtsicht, die digitale Abläufe miteinbezieht und damit noch höheres Potenzial birgt.

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